Aktuelles

 

Unser jährlicher Rundbrief

 

Liebe Freunde der Boliviengruppe, liebe Unterstützer des Friedhofskinderprojekts CIMET,

spannend und bereichernd fanden wir im vergangenen Jahr, dreimal Besuch aus Bolivien empfangen zu dürfen: Ana als Vertreterin vom CIMET, Hauptverantwortlicher Milton zum Abschied und die Musikgruppe Los Masis aus Sucre.

 

Ana, eine wichtige Ansprechpartnerin mit einer Lebensgeschichte, die uns bewegte
Ana ist die Koordinatorin der fünf sozialen Projekte der Trinitarierkommunität in Sucre, von denen eins auch das CIMET ist. Ihr bescheidener Schreibtisch steht in einem winzigen, dunklen Büro im Parterre des Hauses, in dem die Trinitarier untergebracht sind, also nicht im CIMET. Von dort aus führt sie die Korrespondenz mit uns, erstellt Haushaltspläne und Abrechnungen, führt Gespräche mit den Mitarbeitern der Projekte und tauscht Informationen mit Organisationen und Unterstützern vor allem in Europa aus, so auch mit der Boliviengruppe des Lorenzer Ladens. Jede die Friedhofskinder betreffende Frage wandert über ihren Schreibtisch. Sie ist unsere erste Ansprechpartnerin.
Als sie im Juni 2018 eines anderen Projektes wegen zu einem Vortrag in den Schwarzwald eingeladen wurde, besuchte sie uns von dort aus für 3 Tage in Nürnberg. Die Erzählungen aus ihrer persönlichen Familiengeschichte stehen so oder ähnlich für so viele Geschichten der Menschen in Bolivien, auch für die der Angestellten und Kinder des CIMET.
Nachdem ihr Vater in der politisch unsicheren Zeit der Militärputsche in Bolivien seinen Arm verloren hatte, dadurch nicht mehr auf dem Feld arbeiten konnte und ihre Mutter nach einer von Mangelernährung geprägten Kindheit und Jugend erkrankte, sorgte sie als älteste Schwester täglich für ihre 5 jüngeren Geschwister. Es war die Zeit, als mehr als 70 % der Bevölkerung des Landes in Armut lebte, von der auch ihre Familie seit Generationen betroffen war. Dass sie als junge Erwachsene dennoch einen Schulabschluss und eine Verwaltungsausbildung absolvierte und in den Beruf ging, zeugt von ihrer persönlichen Stärke. Ana lernte von Geburt an zu überleben, auch wenn es nicht wirklich zum Leben reichte. Die Sorge um die Kleinen und die Schwächeren begleitete sie schon immer und so weiß sie sehr gut um die Situation der Friedhofskinder und wie sie kämpfen müssen, um die Anforderungen des Alltags zu bestehen. Es ist sicher kein Zufall, dass Ana, ledig, vor 6 Jahren auch noch den kleinen Fernando adoptierte, damit er eine Mutter hat.

Es erfüllt uns immer wieder mit großem Respekt, die Lebensgeschichten unserer bolivianischen Partner zu hören, die aus den prekären Verhältnissen, in denen sie selbst groß wurden, dennoch Kraft schöpfen und diese wiederum einsetzen für die nachfolgende Generation.

 

Milton, mit dem wir zusammen einiges bewegen konnten und mit dem uns eine tiefe Freundschaft verbindet

Außer Ana besuchte uns auch Milton. Der bis 2018 Hauptverantwortliche für das CIMET und die weiteren Projekte der Trinitarier, machte im April seinen Abschiedsbesuch bei uns. Er wurde von seinem Orden nach Buenos Aires gerufen. Wir bedauern das sehr.
Milton wuchs ebenfalls in einer kinderreichen Familie auf dem Land auf. Wie Ana ist er Angehöriger der Volksgruppe der Quechua, deren Sprache er von Kindheit an spricht und deren Sinn für Gemeinschaft er immerzu ausstrahlt. Wie er es schaffte, aus den armen Verhältnissen seiner Familie heraus Medizin zu studieren, ist verwunderlich. Er begann seine Arbeit als Arzt auf dem Land und musste mit seinem spärlichen Arztkoffer mit dem Pferd über oft weite Strecken zu seinen Patienten reiten. Auch er hatte von Beginn an ein besonderes Gespür für die Bedürfnisse der Friedhofskinder. Wir verdanken ihm die Einführung des Stipendienprojekts und die nachhaltige Integration der Kinder vom Friedhof in die Aktivitäten des CIMET.
Seinen Nachfolger Joselito konnten wir noch nicht persönlich kennenlernen, aber wir arbeiten schon gut zusammen und zwar genauso offen, transparent und kooperativ wie zuvor.

 

Los Masis und ihre zwei fulminanten Auftritte hier in Nürnberg

Der Kondor breitet seine Flügel aus und erhebt sich zum Flug ...", so beginnt die Quechua-Messe der 8-köpfigen Gruppe "Los Masis", die uns ebenfalls im April zu Beginn ihrer Europatournee in Nürnberg besuchte. Sie gehören zu einer der bekanntesten Musikgruppen in Sucre und darüber hinaus und greifen die ursprüngliche Musik und Tänze der verschiedenen indigenen Volksgruppen Boliviens auf, um sie aufzuführen und als kulturelles Erbe ihres Landes zu erhalten.
In der Klarakirche faszinierten sie uns mit einem großartigen Konzert in ihren verschiedenen bunten Trachten und mit zahlreichen traditionellen Instrumenten wie der Sampona (Panflöte), Quena (Flöte), Saiteninstrumenten, Trommeln, Horn (Naturhorn von Kühen) u. a. sowie mit Gesang.
Die Wolfgangkapelle in der Egidienkirche war bis zum letzten Platz besetzt, als sie mit uns einen Quechua-Gottesdienst feierten. Die von ihnen selbst geschriebenen Lieder enthielten Bilder und Visionen aus der Kultur und dem Glauben der andinen Bevölkerung, die sich mit Inhalten christlicher Anschauungen und Gebete mischten. Einer solchen Verschmelzung der auf die Pacha Mama, Mutter Erde, bezogenen, eher kosmischen Vorstellung und christlicher Gottes- und Schöpfungsbilder begegnen wir in Bolivien sehr viel.

 

Sarvodaya besucht das CIMET und hilft mit
Seit 2017 gibt es eine neue und sehr hilfreic
Seit he Kooperation des CIMET mit dem Verein Sarvodaya e. V., der sich u. a. für pädagogische Begleitung und musikalische Ausbildung auch in bolivianischen Projekten einsetzt. Das ist für unser Friedhofskinderprojekt ein großer Segen, denn Sarvodaya finanziert die Gehälter unserer zwei Musikpädagogen sowie seit dem vergangenen Jahr auch einen neuen Mitarbeiter für das Gewächshaus.